Der Frust mit der Digitalisierung

Gerade konnte ich im neuen Datev Magazin lesen, dass die Zukunft jetzt beginnt und Deutschland nach den Werten von 2018 mit dem 9. Platz unter den Top-Ten der innovativsten Länder der Welt gelistet ist.

Ich frage mich ganz ehrlich, wer da abgestimmt hat oder auch was dort für Kriterien angelegt worden sind.

Selbst wenn es hier innovativ, also einfallsreich, fantasievoll, ideenreich, originell und schöpferisch zugehen sollte, so wird dieses Potential doch offensichtlich nicht genutzt.

Unser Thema, Digitalisierung der Buchhaltung, quält sich zäh dahin. Die notwendigen Programme werden, wenn überhaupt, nur verspätet zur Verfügung gestellt, so dass das vorhandene Potential gar nicht ausgeschöpft werden kann. Digitalisierung bedeutet eben nicht, ich scanne jetzt meine Papierrechnung ein.

Ein Bewusstsein, dass Änderungen passieren, ist vielfach nicht vorhanden und der Wille, sich auf Neuerungen einzulassen, eher unterentwickelt, von einem voranpreschenden Gesetzgeber mal ganz zu schweigen.

Gerade gestern berichtet ein Mandant noch davon, dass er eine Gesellschaft in Italien gründen wolle und dort ja schon die gesamte Rechnungsstellung nur noch mit Factur-X digital möglich sei. Toll, hier sortieren wir immer noch händisch die Papierbelege.

Ja, auch bei uns wird da was kommen und ich bin mir sicher, dass in vielen Unternehmen auch schon stark daran gearbeitet wird, aber tatsächlich merkt man hiervon in vielen Bereich noch nichts. Immer noch werden Papier und PDF-Dateien in rauen Mengen produziert und verarbeitet, anstatt zu elektronisch auslesbaren Dokumenten über zu gehen und auch die gesamte Infrastruktur hingt noch hinter her.

Wenn ich im Urlaub im Ausland bin, stelle ich immer wieder fest, dass in den entlegensten Winkeln, mitten im Nirgendwo, hervorragender 4G Empfang vorhanden ist und ich spreche da von Ländern wie Litauen, Polen oder Kroatien. Ein paar Kilometer von unserem Büro entfernt versuchen Mandanten selbst für eine vernünftige Anbindung an das Internet zu sorgen, da es dort gar keinen Empfang mehr gibt und das am Rande des Ruhrgebietes.

Auf diesem Hintergrund ist es natürlich nachvollziehbar, dass nicht mit mehr Druck auf eine durchgängig elektronische Rechnungstellung hingearbeitete wird. Ich frage mir nur, ob wir als Gesellschaft uns das wirklich leisten können. Überholt worden sind wir ja bereits, aber was passiert denn, wenn wir in diesen Bereichen auch noch hoffnungslos abgehängt werden?

Hoffen wir mal, dass die Datev Recht hat und die Zukunft jetzt (endlich) beginnt.

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